Sehr bald trennte sich die Spreu vom Weizen und das Höhenrallye nahm seinen Lauf. Beat eröffnete mit einem meisterlichen Schachzug das Geduldsspiel am östlichen Hang und P. (an dieser Stelle nennen wir P. nicht bei vollem Namen, da er sozusagen inkognito am Fliegen war und wir seinen Ehefrieden nicht unnötig aufs Spiel setzen wollen) versuchte es ihm gleichzutun. Da zu diesem Zeitpunkt jedoch niemand ausser Beat die kritischen ersten hundert Höhenmeter schaffte, griff P. zu einer leicht brachialeren Methode und überwand diese kurzerhand zu Fuss.

Das Feld gurkte zu dieser Zeit abtastend an der Startkrete herum und hatte den einen oder anderen Verlust in Form von Absaufern zu beklagen. Durch die schiere Grösse des Felds war das Halten an der Krete durchaus nicht einfach, da manchmal fast mehr ausgewichen werde musste als gesoart werden konnte.

Je mehr Zeit verstrich, desto risikofreudiger wurde Dani und startete eine Angriffswelle zur Ostflanke nach der anderen, was ihm zeitweise leicht kriminelle Rückkehrhöhen bescherte. Adi und Paul bemerkten dies und brachten sich taktisch in Lauerstellung. Als Dani alles auf eine Karte setzte und sich in Versuch Nr. 5 extrem weit der Flanke nach Richtung Süden schlich, konnte er dank thermischer Unterstützung ein kurzes Aufwindband ausfindig machen, welches in eine kleine Abrisskante mündete. Der Eingang zur oberen Etage war gefunden! Adi und Paul folgten kurz danach. Nach einer geduldsamen Aufholjagd erreichten die Verfolger die Ausreisser Beat und P. und weitere Piloten taten es ihnen im weiteren Tagesverlauf gleich.

Es war sogar möglich, an der Hauptkrete aufzusoaren und die Steinbockherde zu beobachten. An dieser Stelle sei nochmals angemerkt, dass besonders in dieser Jahreszeit (und im Frühling) nicht zu nahe an die Tiere herangeflogen werden sollte da diese flüchten und so unnötig Energie verschleissen könnten! Als ich die Höhe der Herde erreichte umflog ich sie mit etwa 150m Hangabstand. Die Tiere verhielten sich ruhig und es war ein majestätischer Anblick diese Prachtskerle in freier Wildbahn zu beobachten.

Im weiteren Verlauf der Rallye erreichten einige Teilnehmer den Pizzo die Cadrèigh. Adi, Fabian, Paul und Dani entschieden sich dort zum Abreiten der Krete mit anschliessendem Ausgleiter bis über Acquarossa hinaus.

Die anderen Teilnehmer erfreuten sich an den super Bedingungen vor Ort mit unzähligen Toplandungen und samtweichen Soaringbedingungen. Den Abend liessen wir standesgemäss bei einer herrlichen Holzofenpizza in Biasca ausklingen, wobei es viel (erfolgreiche) Überzeugungsarbeit bedurfte Paul davon abzuhalten in seine (nottabene geschlossene!) Stamm-SBB-Beiz zu gehen. Dem Pizzaiolo des Lucomagno sei Dank!

Fast wäre dieser fantastische Flugtag perfekt zu Ende gegangen, nur die Urner Parkpolitesse in Altdorf fand dass man beim Kollegi ausschliesslich am Wochenende und Nachts parkieren dürfe (steht dummerweise auf der Tafel des Parkplatzes) und verpasste dem Fahrzeugpark der Fliegergemeinde viele Staatsgutscheine im Wert von 40 Franken...

Aber egal, wir haben alle einen wirklich tollen Flugtag auf dem Lukmanier genossen, durch den fehlenden Schnee war es wieder erstaunlich thermisch! Chè bello!

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