In Amsteg ist unsere fünfköpfige Tourengruppe komplett und wir fahren vollgepackt zum Sustenbrüggli. Die Morgenstimmung ist wunderbar und motiviert uns, den Leiterliweg auf die Sustlihütte in Angriff zu nehmen. Kaum sind die ersten Räubergeschichten von vergangenen Flügen verklungen, treffen wir auf der Hütte ein und werden von Kari und Agi mit frischem Kuchen und Kaffee verwöhnt – wir geniessen die Pause auf der sonnenbeschienenen Terrasse sichtlich. Die folgenden drei Stunden führen uns über Gletscherschliffplatten, Couloirs, Gletscher und einen schönen Grat auf den Gipfel. Spätestens im steilen Aufstieg durch südlich ausgerichtete Couloir fliesst der Schweiss bei allen in Strömen. Leider trägt die Schneedecke nicht überall zuverlässig, zwischendurch sinken wir knietief ein. Aufhalten lassen wir uns davon allerdings nicht, pünktlich zum Mittagessen erreichen wir den Gipfel. Die Aussicht ist schlichtweg genial. Wir entscheiden, vom Gipfel möglichst weit in Richtung Surenenpass zu fliegen und die letzten Meter zum Pass hochzulaufen. Von dort soll uns ein zweiter Flug retour nach Altdorf bringen.

Pius, der erfahrene Fuchs, sucht sich einen optimalen Startplatz und eröffnet schon bald den Luftweg nach Norden. Der leichte Seitenwind stört ihn dabei keineswegs. Kurz darauf gleitet auch Michu über den Firnalpelifirn davon. Jonas als bekennender Miniwing-Pilot setzt auf schnelle Beine und zieht eine tiefe Spur durch den Schnee, hebt ab und folgt den beiden Leadern. Kilian und Marco lassen sich vom mittlerweile etwas stärkeren Seitenwind nicht irritieren und ziehen ihre Startspur in den Schnee, das Abheben erfordert allerdings einen anstrengenden Sprint!

Je nach Schirmgrösse, Geduld beim Suchen der spärlichen Thermik oder Glück bei der Linienwahl landen alle fünf wohlbehalten rund um die Blackenalp. Michu erkennt das Restaurant schon aus der Luft, kann der willkommenen Erfrischung nicht widerstehen und landet, verlorene Höhenmeter hin oder her, direkt neben der Terrasse. Pius und Marco drehen erst im allerletzten Moment gegen den Talwind ein um möglichst hoch zu landen. Der zweite Aufstieg des Tages zieht sich in die Länge. Beim Surenenpass treffen wir wieder alle aufeinander. Ein letzter Schluck aus der Flasche, der letzte Riegel, warme Kleider. Auf der Westseite des Eggenmanndli soaren wir möglichst hoch auf, um unbehelligt durch das Lee nach Altdorf auszugleiten. Den knapp halbstündigen Gleitflug vom Surenenpass quer durch das Reusstal zum Haldi und zurück zum Auto ist ein perfekter Abschluss und eine gute Erholung für die müden Beine.

Bis bald, Marco